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"Bekleiden" de Martin Pöll

Updated: Jun 18



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bekleiden

"bekleiden" gibt einen Einblick in die Entstehungsprozesse meiner aktuellen Arbeiten. Denn der Prozess ist ein wichtiger Teil von dieser, darunter beispielsweise das Sammeln von Baumharz oder von Blättern, die dann ihre Form finden. Mich fasziniert die Eigenschaft und Vielfalt der Natur, wie sie ihren Raum in verschiedenen Fassetten einnimmt. Der Titel "bekleiden" spiegelt für mich die Naturereignisse in meiner bildhauerischen Arbeit wieder, denn mit verschieden Materialien lässt sich die Wandelbarkeit der Natur nachzeichnen.

Über meine Arbeit

Bei meinen künstlerischen Arbeiten lasse ich mich hauptsächlich von der Natur, meiner Umgebung und vor allem auch von meiner Herkunft inspirieren. Balsaholz, Springkraut, Ahornsamen: Pflanzliche Formen und die Beziehung des menschlichen Körpers zur Natur bilden den Fundus für meine Arbeiten. Einzelne Eigenschaften, wie ihre geometrische Grundstruktur oder ihre Bewegung im Raum, erfahren durch Reduktion eine Übersetzung hin zu skulpturalen Objekten. Durch die Einbindung in eine statische Struktur gleichförmiger Wiederholungen erhalten die abstrahierten Formen darüber hinaus völlig neue Qualitäten, die die Wahrnehmung verändern.

In meiner Studienzeit habe ich mich viel mit verschiedenen pflanzlichen Samen auseinandergesetzt. So ist auch in diesem Zusammenhang durch Wahrnehmungen von Momentaufnahmen der Natur eine Art Unendlichkeitsprinzip entstanden. Dieses Prinzip möchte ich näher erläutern:

Ich habe verschiedene geometrische Formen entwickelt, die alle einen Bezug zur Natur haben zum Beispiel ein abstrahierender Ahornsamen. Diese Formen sind Fragmente aus einem unendlich erweiterbaren Ganzen. Durch die Zusammensetzung mehrerer gleicher Passformen entsteht eine Auflösung der ursprünglichen Form, denn die geometrischen Formen aneinander gesetzt, ergeben eine neue Arbeit. Diese Arbeit hat einen gewissen Aspekt von Varianz, d.h. die Anordnungen lassen an den gegebenen Raum anpassen und erscheinen damit immer wieder in neuer Konstellation. Bei der Arbeit "When air and ground come together" habe ich einen Teil des Bodens des Ausstellungsraums mit Betoplanplatten verlegt. Der Umriss einer Platte lässt eine Abstraktion eines Vogels erkennen. Die idellen Vogelformen werden ineinandergesteckt auf dem Boden ausgelegt. Die Fläche bedeckt den halben Ausstellungsraum. Die Idee, die dahinter steckt hat auch miteinbezogen, dass was Neues durch viele kleinere Arbeiten entsteht. Auch die Verschiebungen der Platten, die durch das Darüberlaufen entstehen sind kein marginaler Bestandteil der Arbeit.

Des Weiteren habe ich in meinem Auslandsemester in Island meine Leidenschaft zum Material Stoffen entwickelt. Meine Stoffarbeiten greifen ebenfalls geometrische Strukturen, die einen Bezug zur Natur behalten, auf. Mich interessiert besonders die Eigenschaft des Materials, die sich auch durch die verschiedenen Stoffarten verändern kann, und dass sich damit verschiedene skulpturale Realisierungsmöglichkeiten ergeben. Je nach Konzept verändert sich die Arbeit durch das Fallen des Stoffes bei hängenden Arbeiten.

Manche Arbeiten haben einen performativen Entstehungscharakter. Ich zeichne mit einem GPS-Gerät eine bestimmte Route auf. Ich laufe die geplante Route ab, oder benutze mein Rennrad. Die Routen entstehen durch einen geplanten Ablauf der Strecke und Lage, an der sich mein Konzept realisieren lässt. Diese GPS-Aufnahme ist eine durchgehende Linie, die ohne Unterbrechungen aufgezeichnet wird. Diese Zeichnungen sind mit einem Statement, mit Ironie versehen.

In meinen aktuellen Arbeiten beschäftige ich mich mit dem Material Baumharz, das ich selbst im Wald sammle und das auch als Akt des künstlerischen Projekts sehe. Das Baumharzsammeln empfinde ich schon fast als Ritual, wenn ich in meiner Heimat Südtirol bin. Die Suche nach Harzbrocken ist für mich ein meditatives Schaffen in der Natur, im Freien. Die Naturbezogenheit spiegelt sich auch in den fertigen Skulpturen aus Baumharz. Ich versuche die Relation des Harzes zum Baum bzw. Stamm im künstlerischen Schaffensprozess aufzugreifen. So entstehen beispielsweise Säulen aus Baumharz. Nicht nur die Konsistenz des Materials, sondern auch besonders sein Aroma macht die Arbeit für mich interessant, da ich den Duft mit meiner Kindheit in Verbindung bringe.


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